Vor ein paar Wochen habe ich einen Mitarbeiter eingestellt. Er braucht keinen Schreibtisch. Er trinkt keinen Kaffee. Und wenn ich ehrlich bin: Ich würde ihn trotzdem nicht unbeaufsichtigt arbeiten lassen.
Er heißt Gandalf.
Natürlich ist Gandalf kein Mensch. Gandalf ist mein KI-Assistent, genauer gesagt eine eigene Hermes-Agent-Installation, die ich mir Schritt für Schritt eingerichtet habe. Der Unterschied zu einem normalen ChatGPT-Fenster ist für mich aber ziemlich groß.
Ich schreibe nicht nur eine Frage in ein leeres Feld und kopiere danach eine Antwort irgendwohin.
Gandalf hängt inzwischen an echten Arbeitsbereichen. Er kann mit meinem Notion-HQ arbeiten, Contentideen ablegen, Entwürfe überarbeiten, Ressourcen sortieren, Recherchen zusammenfassen und mir kleine technische Aufgaben vorbereiten oder umsetzen.
Das klingt im ersten Moment vielleicht größer, als es ist. In der Praxis fühlt es sich eher an wie ein sehr geduldiger Assistent, dem man genaue Aufgaben geben muss.
Und genau das finde ich spannend.
Was Gandalf derzeit für mich macht
Ein paar Beispiele aus den letzten Tagen:
- Gandalf hat meinen Contentplan in Notion aufgeräumt. Texte, die auf „Entwurf" standen, hat er noch einmal gelesen und oben eine polierte Version eingefügt. Die alte Fassung blieb darunter stehen, damit nichts verloren geht.
- Er hat eine Seite mit Empfehlungslinks in eine Datenbank umgebaut, weil klar war: Wenn da mehr Links dazukommen, wird eine einzelne Seite schnell chaotisch. Jetzt kann ich nach Anbieter, Kategorie, Art und Status filtern.
- Er legt Ideen ab, wenn ich sie ihm per Telegram schicke. Manchmal ist das nur ein Satz. Manchmal eine Sprachnachricht. Daraus wird dann ein sauberer Eintrag im Contentplan oder in einer anderen Notion-Datenbank.
- Er recherchiert Themen und fasst mir zusammen, was daran brauchbar ist. Nicht als Wahrheit aus dem Off, sondern mit Quellen und mit dem Hinweis, wenn etwas unsicher ist.
- Und er hilft mir beim Schreiben. Nicht als Ghostwriter, der meine Stimme ersetzt. Eher als Gegenüber, das sortiert, kürzt, glättet und manchmal ziemlich deutlich zeigt, wo ein Text noch nach KI klingt.
Das ist für mich der eigentliche Punkt: Gandalf nimmt mir nicht das Denken ab. Er macht es schwerer, Dinge einfach liegen zu lassen.
Wie das Einrichten funktioniert hat
Die Grundlage ist ein kleiner VPS. Also ein virtueller Server, der nicht auf meinem Laptop läuft, sondern dauerhaft online ist.
Darauf läuft Hermes Agent. Telegram ist mein Eingangskanal. Wenn ich Gandalf schreibe, landet die Aufgabe beim Agenten. Je nach Aufgabe nutzt er dann die passenden Werkzeuge: Notion, Dateien, Webrecherche, Terminal, manchmal auch E-Mail oder Kalender.
Das Setup war kein Ein-Klick-Zauber. Es war eher klassisches Herantasten: Server aufsetzen. Zugang absichern. Hermes installieren. Telegram anbinden. Notion verbinden. Rechte prüfen. Testen. Fehler suchen. Wieder anpassen.
Genau deshalb finde ich es auch für kleine Betriebe interessant. Nicht, weil jeder jetzt seinen eigenen KI-Agenten bauen muss. Sondern weil man daran gut sieht, worum es bei Digitalisierung eigentlich geht.
Nicht um „Wir machen jetzt irgendwas mit KI". Sondern um konkrete Abläufe: Wo landen Ideen? Wer sortiert sie? Wo entstehen Aufgaben? Wer pflegt Links? Wer liest Entwürfe gegen? Wer erinnert mich daran, dass ein Prozess längst zu unübersichtlich geworden ist?
Wenn man diese Fragen sauber stellt, wird KI plötzlich viel weniger magisch. Und viel nützlicher.
Die Sicherheitsfrage
Der unangenehme Teil gehört dazu.
Wenn ein KI-Assistent Zugriff auf echte Systeme bekommt, wird es ernst. Dann geht es nicht mehr nur um lustige Textvorschläge. Dann geht es um Daten, Rechte, Fehlentscheidungen und darum, was so ein System überhaupt dürfen soll.
Ich habe Gandalf deshalb nicht einfach überall Vollzugriff gegeben. Ein paar Grenzen sind bewusst gesetzt:
- Er darf in meinem Gandalf-HQ in Notion schreiben und strukturieren. Das ist genau dafür gedacht. Andere Bereiche sind nicht automatisch freigegeben.
- Bei GitHub gilt: anschauen ist okay, ändern nur mit ausdrücklichem Auftrag.
- Passwörter, API-Keys und andere Secrets soll er nicht von mir eintippen bekommen. Zugangsdaten liegen in der Umgebung, wo sie hingehören, nicht im Chat.
- Bei riskanten Aktionen muss klar sein, was passiert. Löschen, veröffentlichen, kaufen oder Rechte ändern ist nichts, was nebenbei passieren sollte.
Und ganz wichtig: Ich behandle Gandalf nicht als Autorität. Wenn er recherchiert, prüfe ich Quellen. Wenn er Texte schreibt, lese ich sie. Wenn er etwas Technisches ändert, muss es danach verifiziert werden.
Das klingt vielleicht trocken. Für mich ist es aber der entscheidende Unterschied zwischen Spielerei und brauchbarem Werkzeug.
KI ohne Grenzen ist kein Mitarbeiter. Eher ein Praktikant mit Generalschlüssel. Das will man nicht.
Warum ich das trotzdem mache
Weil es funktioniert.
Nicht perfekt. Nicht immer. Aber oft genug, dass ich merke: Hier verändert sich gerade mein Alltag.
Ich schiebe weniger lose Gedanken vor mir her. Ich finde Links wieder. Ich komme schneller von einer Idee zu einem Entwurf. Ich habe jemanden, der eine Notion-Seite nicht nur liest, sondern sauber in eine Datenbank umbaut, wenn die Struktur nicht mehr passt.
Und ja, manchmal nervt es auch. Man muss genauer sagen, was man will. Man muss prüfen. Man muss Grenzen setzen. Man muss akzeptieren, dass ein KI-Assistent nicht automatisch „mitdenkt", nur weil man ihm einen Namen gegeben hat.
Aber genau darin liegt für mich der Lerneffekt.
Ein guter digitaler Mitarbeiter ist nicht einfach da. Man muss ihn einarbeiten.
Falls du so etwas selbst ausprobieren willst
Mein Setup läuft auf einem VPS. Ich nutze dafür Hostinger. Wenn du selbst mit einem kleinen Server für solche Projekte experimentieren willst, kannst du diesen Empfehlungslink verwenden:
Hostinger VPS – Empfehlungslink
Mein Fazit
Ich habe keinen Menschen ersetzt.
Ich habe mir einen Arbeitsraum gebaut, in dem KI nicht nur antwortet, sondern an echten Aufgaben mitarbeitet.
Das ist weniger spektakulär als viele KI-Versprechen. Aber für mich ist es viel interessanter.
Denn am Ende geht es nicht darum, ob Gandalf besonders beeindruckend klingt. Es geht darum, ob er mir hilft, Dinge sauberer, schneller und konsequenter zu erledigen.
Und daran gemessen hat sich die Einstellung bisher gelohnt.